Eco Reifen: Was bedeutet die Bezeichnung?
Bei Reifen mit der Kraftstoffeffizienzklasse A wurde ein besonders geringer Rollwiderstand gemessen. Im Vergleich zur Effizienzklasse E ist eine Verbrauchsreduzierung von bis zu 7,5 % möglich (wenn nach den in der EU Verordnung festgelegten Versuchsverfahren 2020/740 gemessen wird - Quelle: Folgenabschätzung der Europäischen Kommission).
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Eco Reifen: Was steckt hinter der Bezeichnung?
Wer beim Reifenkauf auf Begriffe wie „Eco Reifen“, „Eco-Reifen“, „Leichtlaufreifen“ oder „energieeffiziente Reifen“ stößt, verbindet damit häufig automatisch einen geringeren Kraftstoffverbrauch oder eine bessere Umweltbilanz. Eine solche pauschale Schlussfolgerung wäre jedoch zu kurz gegriffen.
Als Eco Reifen werden Reifen bezeichnet, bei deren Entwicklung bestimmte Eigenschaften wie
- ein niedriger Rollwiderstand,
- ein möglichst geringes Gewicht,
- eine hohe Laufleistung oder
- der Einsatz alternativer beziehungsweise recycelter Materialien
eine besondere Rolle spielen können.
Bild © Getty Images/iStockphoto
Welche dieser Merkmale tatsächlich vorhanden sind und wie stark sie ausgeprägt sind, unterscheidet sich jedoch von Modell zu Modell. Die Bezeichnung „Eco“ allein sagt deshalb noch nichts darüber aus, wie nachhaltig ein Reifen über seinen gesamten Lebenszyklus tatsächlich ist. Herstellung, Rohstoffgewinnung, Transport, Laufleistung, Energieverbrauch während der Nutzung, Reifenabrieb und Verwertung am Ende der Lebensdauer müssten für eine umfassende Bewertung gemeinsam betrachtet werden.
Welche Eigenschaften werden mit Eco Reifen verbunden?
Bei der Reifenentwicklung müssen zahlreiche Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden. Neben Rollwiderstand und Gewicht spielen beispielsweise Nasshaftung, Trockenhandling, Bremsverhalten, Verschleiß, Geräuschentwicklung, Fahrkomfort und Stabilität eine wichtige Rolle. Die Entwicklung eines sogenannten Reifens besteht deshalb nicht darin, lediglich einen einzelnen Wert zu optimieren. Vielmehr versuchen Reifenhersteller, unterschiedliche Eigenschaften sinnvoll miteinander zu verbinden:
- Spezielle Gummimischungen: Die Zusammensetzung der Gummimischung hat Einfluss darauf, wie stark sich ein Reifen während des Abrollens verformt und wie viel Energie dabei verloren geht. Moderne Reifenmischungen können beispielsweise Silica und weitere Füllstoffe enthalten. Durch eine geeignete Abstimmung der Mischung versuchen Hersteller, Rollwiderstand, Haftung und Verschleiß miteinander in Einklang zu bringen. Bei manchen Reifen kommen darüber hinaus alternative oder teilweise biobasierte Rohstoffe sowie wiederverwertete Ausgangsmaterialien zum Einsatz. Entscheidend ist jedoch nicht allein, dass ein bestimmter Rohstoff verwendet wird. Für eine ökologische Bewertung wären unter anderem dessen Anteil, Herkunft, Verarbeitung und die gesamte Lebensdauer des Reifens relevant.
- Recyclingmaterialien und alternative Rohstoffe: Ein weiterer Ansatz besteht darin, bei der Reifenproduktion einen Teil der herkömmlichen Rohstoffe durch recycelte oder alternative Materialien zu ersetzen. Je nach Hersteller und Modell können beispielsweise wiedergewonnener Industrieruß, recycelter Stahl, recycelte Textilbestandteile oder Rohstoffe aus erneuerbaren Quellen eingesetzt werden. Ein hoher Recyclinganteil bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Reifen insgesamt umweltschonender ist. Auch hier müssen beispielsweise Haltbarkeit, Energieaufwand bei der Herstellung, Transportwege und die tatsächliche Nutzungsdauer berücksichtigt werden. Wer Wert auf solche Eigenschaften legt, sollte deshalb konkrete Herstellerangaben zum jeweiligen Reifenmodell prüfen und nicht ausschließlich auf Begriffe wie „Eco“, „Green“ oder „Sustainable“ vertrauen.
- Möglichst geringes Reifengewicht: Bei einigen Reifenkonstruktionen versuchen Hersteller, die benötigte Materialmenge beziehungsweise das Gesamtgewicht zu reduzieren, ohne die notwendige Stabilität und Sicherheit zu beeinträchtigen. Ein geringeres Reifengewicht kann grundsätzlich mehrere Vorteile bieten: Für die Produktion wird potenziell weniger Material benötigt und gleichzeitig muss das Fahrzeug weniger Masse bewegen. Wie relevant dieser Effekt beim konkreten Fahrzeug ist, hängt jedoch stark von Reifengröße, Konstruktion und Einsatzgebiet ab. Gerade bei schweren Fahrzeugen, leistungsstarken Pkw oder Elektroautos dürfen Tragfähigkeit und Belastbarkeit nicht zugunsten eines möglichst niedrigen Gewichts vernachlässigt werden.
- Optimierter Rollwiderstand: Der Rollwiderstand gehört zu den wichtigsten Eigenschaften, wenn es um die Energieeffizienz eines Reifens geht. Während der Fahrt verformt sich ein Reifen kontinuierlich an seiner Kontaktfläche mit der Straße. Ein Teil der dafür aufgewendeten Energie wird dabei in Wärme umgewandelt. Je geringer diese Energieverluste ausfallen, desto weniger Energie benötigt das Fahrzeug grundsätzlich, um den Reifen in Bewegung zu halten. Die EU-Kommission weist darauf hin, dass der Rollwiderstand unter anderem von Reifenkonstruktion, Gummimischung, Reifenfülldruck, Fahrzeugbeladung und Straßenbedingungen beeinflusst wird. Ein niedriger Rollwiderstand kann daher dazu beitragen, den Energiebedarf eines Fahrzeugs zu reduzieren. Wie groß der Effekt im Alltag tatsächlich ausfällt, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
- Lange Haltbarkeit: Auch die Lebensdauer kann ein wichtiger Bestandteil des Reifenkonzepts sein. Ein Reifen, der über einen langen Zeitraum sicher genutzt werden kann und eine hohe Laufleistung erreicht, muss möglicherweise seltener ersetzt werden. Dadurch können über die gesamte Nutzungszeit weniger Reifen benötigt werden. Eine hohe Laufleistung ist deshalb ein wichtiger Faktor, wenn Reifen ganzheitlich betrachtet werden. Gleichzeitig sollte sie niemals zulasten sicherheitsrelevanter Eigenschaften wie Nasshaftung oder Bremsverhalten gehen. Hinzu kommt: Das EU-Reifenlabel enthält derzeit keine Bewertung der Laufleistung. Wer verschiedene Reifen vergleichen möchte, sollte deshalb zusätzlich unabhängige Reifentests und verfügbare Herstellerinformationen berücksichtigen.
"Eco Reifen" und das EU-Reifenlabel
Eine wichtige Orientierung beim Reifenkauf bietet das EU-Reifenlabel. Seit dem 1. Mai 2021 gilt die überarbeitete Kennzeichnung nach der Verordnung (EU) 2020/740. Unter anderem werden dort Rollwiderstand beziehungsweise Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung jeweils auf einer Skala von A bis E dargestellt. Zusätzlich informiert das Label über das externe Rollgeräusch. Bei geeigneten Reifen können außerdem Symbole für Schnee- beziehungsweise Eisgriffigkeit vorhanden sein.
Was bedeutet die Kraftstoffeffizienzklasse?
Die auf dem Reifenlabel angegebene Kraftstoffeffizienzklasse basiert auf dem gemessenen Rollwiderstandskoeffizienten. Klasse A kennzeichnet somit innerhalb des EU-Labelsystems den niedrigsten Rollwiderstand. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Reifen mit Klasse A insgesamt der „ökologischste“ Reifen ist. Das Label betrachtet einzelne messbare Eigenschaften. Aspekte wie Rohstoffherkunft, Recyclinganteil, Produktionsbedingungen, tatsächliche Lebensdauer oder Reifenabrieb werden darüber nicht vollständig abgebildet.
Bild © 2019 Shutterstock
Wie groß der Unterschied beim Kraftstoffverbrauch ausfallen kann, lässt sich nicht für jedes Fahrzeug pauschal bestimmen. Der ADAC nennt für die unterschiedlichen Rollwiderstandsklassen folgende grundsätzliche Orientierungswerte gegenüber einem Reifen der Klasse A:
| Effizienzklasse | Erwarteter Mehrverbrauch |
|---|---|
| A | Referenzwert |
| B | ca. +0,10 l/100 km |
| C | ca. +0,22 l/100 km |
| D | ca. +0,36 l/100 km |
| E | ca. +0,51 l/100 km |
Der ADAC weist darauf hin, dass der theoretische Abstand zwischen den Klassen größer erscheinen kann als das tatsächlich relevante Einsparpotenzial beim Reifenkauf, da viele am Markt erhältliche Modelle hinsichtlich des Rollwiderstands relativ nah beieinanderliegen. Auch deshalb sollte die Kraftstoffeffizienzklasse als Vergleichskriterium verstanden werden – nicht als Versprechen eines bestimmten Kraftstoffverbrauchs.
Kann man am Reifenlabel erkennen, wie ökologisch ein Reifen ist?
Nur teilweise. Das Reifenlabel ist ein hilfreiches Instrument, um einige wichtige Leistungsmerkmale verschiedener Reifen miteinander zu vergleichen. Besonders der Rollwiderstand liefert einen Hinweis darauf, wie energieeffizient ein Reifen während der Nutzung grundsätzlich arbeiten kann. Eine vollständige ökologische Bewertung ermöglicht das Label jedoch nicht. Nicht direkt erkennbar sind beispielsweise
- Herkunft und Zusammensetzung der verwendeten Rohstoffe
- Recyclinganteil des Reifens
- Energieaufwand der Produktion
- Transportwege
- erwartbare Gesamtlaufleistung
- Abrieb über die Lebensdauer
- Reparierbarkeit
- Produktionsbedingungen
- Verwertung der Materialien am Ende der Nutzungszeit
Wer Reifen miteinander vergleichen möchte, sollte deshalb möglichst mehrere Informationsquellen heranziehen: das EU-Reifenlabel, unabhängige Reifentests sowie konkrete und nachvollziehbare Herstellerinformationen.
Sind Reifenmodelle mit "Eco" im Namen automatisch die bessere Wahl?
Nein. Allein die Bezeichnung „Eco“ macht einen Reifen weder zu einem besseren Reifen noch garantiert sie eine bessere Umweltbilanz. Entscheidend ist vielmehr, ob der Reifen zu Ihrem Fahrzeug und Ihrem individuellen Einsatzprofil passt. Wer beispielsweise überwiegend lange Autobahnstrecken fährt, kann andere Anforderungen an einen Reifen haben als jemand, der hauptsächlich kurze Strecken im Stadtverkehr zurücklegt. Auch Fahrzeuggewicht, Motorleistung, Reifendimension, Jahresfahrleistung und klimatische Bedingungen spielen eine Rolle. Bei der Auswahl sollten Sie daher unter anderem folgende Kriterien gemeinsam betrachten:
- passende Reifengröße sowie Last- und Geschwindigkeitsindex
- Rollwiderstand beziehungsweise Kraftstoffeffizienz
- Nasshaftung
- Laufleistung und Verschleißverhalten
- Brems- und Fahreigenschaften
- Geräuschentwicklung
- Eignung für Sommer, Winter oder Ganzjahreseinsatz
- gegebenenfalls Material- und Nachhaltigkeitsinformationen des Herstellers
Das EU-Reifenlabel erleichtert den ersten Vergleich. Für eine umfassende Kaufentscheidung können unabhängige Reifentests zusätzliche Informationen liefern, da dort Eigenschaften untersucht werden, die über die Angaben auf dem Label hinausgehen.
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